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Vom Nutzen des Dialektischen Materialismus für kommunistische Politik

Vom Freitag, 13. November 2026 -  18:00
Bis Sonntag, 15. November 2026 - 13:00
Karl-Liebknecht-Schule, Leverkusen, Am Stadtpark 68
Gemeinsame Veranstaltung von Marx-Engels-Stiftung und Gesellschaft für Dialektische Philosophie.

Kommunistische Politik sollte wissenschaftlich erarbeitet werden, weshalb auch das Handeln kommunistischer Parteien wesentlich wissenschaftlich ist. Wissenschaftlich heißt, sich an die Fakten, die sich aus den wirklichen Zusammenhängen ergeben, zu halten. Ihre Wissenschaft ist der sogenannte Wissenschaftliche Kommunismus. Nach Friedrich Engels basiert er, wie alle Erfahrungswissenschaften, auf der Philosophie der Arbeiterklasse, dem Dialektischen Materialismus, sowie auf der Politischen Ökonomie des Kapitalismus und heute auch des Sozialismus; dazu kommen die Erkenntnisse aller weiteren Erfahrungswissenschaften.

Der Dialektische Materialismus wird nicht an bürgerlichen Hochschulen gelehrt – ganz im Gegenteil: Deren Produktion von Philosophie besteht unter Anderem darin, den Dialektischen Materialismus zu widerlegen oder, noch verquerer, einen »wahren Marxismus« in seinen spätbürgerlichen analytischen oder lebensphilosophischen Varianten zu entwickeln, um ihn im ideologischen Klassenkampf einzusetzen. Folglich kann der Dialektische Materialismus wesentlich in kommunistischen Parteien gelehrt, angeeignet, entwickelt und verteidigt werden. Kommunistische Organisationen, die das nicht tun, werden im ideologischen Klassenkampf zum Linksradikalismus oder zur Sozialdemokratie getrieben, beides kleinbürgerliche Theorieformen der nur noch dem Namen nach kommunistischen Parteien.

Lehre, Aneignung, Entwicklung und Verteidigung findet nicht im geschichtsleeren Raum statt. Entstehung und Fortgang der Klassengesellschaft diktiert den kommunistischen Parteien, was gegenwärtig philosophisch notwendig ist, um wissenschaftliche Politik zu treiben. Sobald sie sich in diese Notwendigkeit begeben, erfüllen sie die Voraussetzungen für den richtigen Weg zum Kommunismus. Marx schrieb dazu: Das Proletariat kann sich nur aufheben, also sich im Streben zum Kommunismus auflösen, wenn es seine Philosophie, den Dialektischen Materialismus, verwirklicht. Kommunistische Parteien, die die Dialektik des Imperialismus nicht theoretisch beherrschen, können ihn auch praktisch nicht überwinden. Sie verfügen nicht über die entscheidende Weise, die einfachen und grundlegenden Bewegungsformen des Imperialismus zu erkennen; sie beginnen bestenfalls, die Gegenwart zu analysieren, verlieren aber vor lauter Analysieren des Momentzustands des Imperialismus deren Bewegung als Übergang zum Sozialismus aus den Augen. Oder sie fabulieren einen Heilsglauben, wonach uns ein neuer Messias wie Lenin ins gelobte Land führen soll. Die weltanschauliche Grundlage wird in der Regel als Allgemeinplatz für die Bestimmung kommunistischer Politik genommen, wobei hier oder dort ein Bonmot wie »Dialektik« oder »Umschlag von Quantität in Qualität« fällt, anstatt die politischen Probleme auch philosophisch, das heißt von ihren jeweiligen basalen Bewegungsformen her, zu beleuchten und die Philosophie in dieser Hinsicht zu fordern und damit weiterzuentwickeln.

Marx schrieb im selben Artikel und sogar im selben Satz auch: Die Philosophie des Proletariats kann sich nur verwirklichen, wenn sie das Proletariat aufhebt, also sich auf dem politischen Weg, den die Arbeiterklasse mit ihren kommunistischen Parteien zur Selbstbefreiung einschlägt, selbst entwickelt und das grundlegende Theoriewerkzeug zur Verfügung stellt. Das Selbstverständnis des Dialektischen Materialismus ist es, Teil der gesellschaftlichen Praxis zu sein; er schwebt nicht über dieser, sondern entstand mit der Arbeiterklasse und entwickelt sich in ihr weiter. Er muss zunächst sein eigenes In-der-gesellschaftlichen-Praxis-Sein begründen, um daraus eine dialektische Seinslogik zur Veränderung der Welt im Dienste der Partei zu entwickeln. Kurz: Er muss Veränderung in der von Engels sogenannten Grundfrage der Philosophie, als das widersprüchliche Verhältnis von Sein und Denken, für sich und für den momentanen Entwicklungsstand der Klassengesellschaft dialektisch-materialistisch begreifen. Ist er in der Lage, die logische Struktur des Widerspruchs zu denken, reduziert er sie nicht in ein bloßes Wechselwirkungsdenken, weiß er sich als »eingreifendes Denken«, wie Bertolt Brecht die Grundeigenschaft des Dialektischen Materialismus benennt.

Brecht popularisiert damit den Gedanken von Marx´ 11. Feuerbachthese. Die Philosophie der Arbeiterklasse ist ein die Praxis veränderndes Denken, weil man durch es überhaupt erst Veränderung denken kann, ein Denken, das nicht die Welt interpretiert, sondern ein Denken, das von seinem ersten Gedanken an in den Klassenkampf eingreift, weil es in ihm entstanden ist und ihn und damit sich selbst vorwärtstreibt. In der 11. Feuerbachthese ist folglich der Keim des Zusammenarbeitens von Dialektischem Materialismus und kommunistischer Partei von Seiten der Philosophie angelegt. Diese Erkenntnis bindet den Dialektischen Materialismus an die kommunistische Partei. Zwar entwickelt er seine Logik in Zusammenarbeit mit den Erfahrungswissenschaften, die Orientierung seiner eigenen Entwicklung kommt aber von der kommunistischen Partei, denn sie ist der Ort, in dem sie tätig ist und den gegenwärtigen Anforderungen des Klassenkampfs genügen muss. Darum ist auch die innerphilosophische Diskussion notwendig; es braucht Debatten in den Kreisen der marxistischen Philosoph:innen. Die kommunistische Partei wiederum ist ohne ihre revolutionäre Philosophie orientierungslos und daher auf sie und mit ihr auf alle Erfahrungswissenschaften angewiesen.

Um dieses gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis von Philosophie der Arbeiterklasse und Partei der Arbeiterklasse verstärkt ins Bewusstsein zu rufen und zu beleben, veranstalten die Marx-Engels-Stiftung und die Gesellschaft für dialektische Philosophie vom 13. bis zum 15. November ein Wochenende, an dem verschiedene dialektisch-materialistische Denkanstöße zum besseren Verständnis des eigenen politischen Arbeitens vorgetragen werden. Unter dem Titel »Vom Nutzen des Dialektischen Materialismus für kommunistische Politik« wird zu folgenden Themen vorgetragen und diskutiert: zur Dialektik, zum Verhältnis von Dialektischen Materialismus und kommunistischer Politik, Dialektik in Lenins Imperialismustheorie, zum Materialismusbegriff sowie zum Verhältnis von Natur, Mensch und Technik. Die Veranstaltung schließt am 15. November mit einer politisch-philosophischen Podiumsdiskussion, moderiert vom Chefredakteur der jungen Welt, Daniel Bratanovic, im Gespräch mit Patrik Köbele (DKP), Freya Pillardy (SDAJ), Luca Schneider (KO) und Dietmar Dath zur Dialektik des Imperialismus.

Programm

Freitag, 13.11.2026:

18 Uhr: Abendessen für alle, die bis dahin angekommen sind und sich dafür angemeldet haben.
18.30 Uhr Julian Lämmrich – »Probleme und Fragen im Umgang und Bearbeitung der dialektischen Philosophie in der Kommunistischen Bewegung«

Samstag, 14.11.2026:

10 Uhr Martin Küpper – »Die Dialektik des Materiellen«
11 Uhr Arnold Schölzel – »Zur Begriffsentwicklung des Imperialismus bei Lenin von Fritz Kumpf«
12-12.15 Uhr Pause
12.15 Lena Kreymann – »Natürlich künstlich: Zum Verhältnis von Mensch, Natur und Technik«
13.15 Mittagspause
14.30 Uhr Andreas Hüllinghorst – »Politik als Dialektik des Aufhebens und Verwirklichens von Proletariat und Philosophie«
15.30 Pause
15.45 Daniel Bratanovic – »Über das Interregnum bei Antonio Gramsci«
18 Uhr Abendessen 

Sonntag, 15.11.2026:

10 Uhr – Podiumsdiskussion »Dialektik des Imperialismus«

mit Dietmar Dath (Publizist und Autor), Patrik Köbele (Vorsitzender der DKP), Luca Schneider (Kommunistische Organisation), Freya Pillardy (stellvertretende Vorsitzende SDAJ)
Moderation: Daniel Bratanovic (Chefredakteur der Tageszeitung junge Welt)

12.15 Uhr Schlusswort der Veranstalter
12.30 Uhr Mittagspause

Anmeldung

Anmeldung per Mail an mes@marx-engels-stiftung.de mit folgenden Angaben:
- Name(n) der Teilnehmer:
- Anreise am / um:
- Abreise am / um:
- Übernachtung in der KLS (4- oder 6-Bett Zimmer) gewünscht - oder in anderer (selbst organisierter) Unterkunft:
- Präferenzen / Rücksichten beim Essen (vegan, Allergien):
Verbindlich wird die Anmeldung erst mit Überweisung des Teilnahmebeitrags. (s.u.)

Kosten

Teilnahme mit Übernachtung und Verpflegung (ohne Getränke): 110,-€; Für Schüler, Auszubildende, Mitglieder der SDAJ sowie auf Antrag auch für Arbeitslose und Geringverdiener: 30,-€
Den Betrag bitte überweisen auf das Konto der Marx-Engels-Stiftung: IBAN: DE17 3305 0000 0000 5170 78, BIC: WUPSDE33