Marx-Engels-Stiftung

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Die raue See des Widerspruchs - Perspektiven auf das Werk von Hans Heinz Holz
Konferenz und Feier anlässlich des 90. Geburtstags
u.a. mit Gazi Ates, Dr. Hannes Fellner, Hans Jörg Glattfelder, Andreas Hüllinghorst M.A., Patrik Köbele, Martin Küpper M.A., Jan Loheit M.A., Prof. Hans-Joachim Petsche, Prof. Jörg Zimmer
25.02. Urania, Berlin, An der Urania 17, 10-21 Uhr
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Projekt Klassenanalyse

Mit großer Geschwindigkeit breiten sich soziale Widerspruchsformen aus, die im "sozialstaatlichen" Kapitalismus schon als überwunden galten: Selbst in den reichsten kapitalistischen Länder haben wachsende Bevölkerungsgruppen kaum das Nötigste zum Leben, weil "prekäre" Arbeitsverhältnisse auskömmliche Beschäftigung mehr und mehr ersetzen. Oft reichen auch Vollerwerbsstellen nicht mehr zum Leben aus. Unsicherheit ist bis in eine vermeintliche gesellschaftliche Mitte hinein zu einer prägenden Sozialerfahrung geworden.

Hungerlöhne und Superreichtum, Armut und Chancenungleichheit sind Symptome klassengesellschaftlicher Verhältnisse. Deren harter Kern besteht jedoch in der ökonomisch fundierten Macht des Kapitals, der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit seinen destruktiven Stempel aufzudrücken. Es findet gegenwärtig ein Umbau der Klassengesellschaft im Interesse des Kapitals statt: Die Profitmaximierung wird strukturell abgesichert und der Anteil der Lohnabhängigen am Sozialprodukt systematisch abgesenkt. "Es herrscht Klassenkampf, und meine Klasse gewinnt", hat der US-amerikanische Spekulant in seltener Offenheit Warren Buffet bekannt.

Wie ist es zur Stärkung der gesellschaftlichen Gestaltungsmacht des Kapitals gekommen? Aber auch: Sind diese Prozesse unumkehrbar? Welche Chancen der Gegenwehr existieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich, bei seinen Arbeitstagungen und in seinen Veröffentlichungen, das von der Marx-Engels-Stiftung 2004 initiierte Projekt zur empirischen und theoretischen Erforschung der bundesdeutschen Klassengesellschaft.

Folgende Bücher des Projektes Klassenanalyse@BRD können über die Marx-Engels-Stiftung bezogen werden:


Umbau der Klassengesellschaft

Inhalt:

Werner Seppmann: Was kann die Klassenanalyse leisten?
Ekkehard Lieberam: Strukturveränderungen in der Lohnabhängigenklasse
Werner Seppmann: Strukturveränderungen in der Klassengesellschaft
Michael D Yates: Ein statistisches Porträt der US-amerikanischen arbeitenden Klasse
Nicole Mayer-Ahuja: Prekäre Arbeit und die Gewerkschaften?
Richard Albrecht: Pauperismus
Otto Meyer: Die real existierende Kirche in der Konter-Reform
Manfred Sohn: Schlussfolgerungen aus dem Umbruch der Klassengegensätze

Kart., 194 S.
10,90 EUR

  Umbau der Klassengesellschaft
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Mehr Profite - mehr Armut - Prekarisierung und Klassenwiderspruch

Im Oktober 2006 irrlichterte kurz eine Debatte durch die Mainstreammedien, die - zumindest vergleichsweise - etwas mit der Realität in diesem Lande zu tun hatte. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) entdeckte das »abgehängte Prekariat«, und ein bekennender Liebhaber des Pfälzer Weins, im Nebenjob SPD-Vorsitzender, machte sich öffentlich Sorgen um eine Unterschicht, die sich ihrem Schicksal ergeben habe.

Damit hatte die sogenannte Unterschichtendebatte begonnen. Sie sollte sich in der Folge als nicht mehr vollständig kanalisierbar erweisen.

Handlungsrahmen
Die Marx-Engels-Stiftung nahm diese Debatte zum Ausgangspunkt, um den Zusammenhang von Prekarisierung und Klassenwiderspruch zu analysieren. Unter dem Titel »Mehr Profite - mehr Armut« stellt sie den nunmehr vierten Band ihres Projektes Klassenanalyse vor. Die zutreffende Feststellung lautet: »Die Armut ist vom Keller in den ersten Stock der Gesellschaft gezogen.« Die sechs Autoren des Bandes behaupten dies nicht nur. Sie belegen ihre Thesen mit umfangreichem Faktenmaterial. So analysiert z. B. Ekkehard Lieberam die Stoßrichtung der FES-Studie als eine »Handreichung von Herrschaftswissen an die neoliberalen "Reformer" (...) Die Studie will den Regierenden Auskunft darüber geben, welche "Gruppen" dem "Wandel aufgeschlossen" oder "skeptischer" gegenüberstehen.«

Lieberams Text, der zwischenzeitlich unter dem Titel »Prekarität ist überall« im Verlag edition ost erschienen ist, ist Streitschrift im besten Sinne. Sie beschäftigt sich nicht nur fundiert mit den sozialen Verwerfungen in dieser Gesellschaft, sondern auch mit deren Ursachen. Auf Basis faktengestützer Analyse gelingt es Lieberam nicht nur, seine Skepsis hinsichtlich des Globalisierungsbegriffes zu erläutern, sondern er formuliert so etwas wie einen politischen Handlungsrahmen für die marxistische Linke in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen, der in der zukünftigen Debatte verstärkt Beachtung finden sollte.

Werner Seppmann indes unternimmt es in seinem Beitrag, den Zusammenhang von Prekarisierung, »sozialdestruktiven Entwicklungen einschließlich ihrer subproletarischen Verfestigungstendenzen« und den Strategien zur Verunsicherung weiter Teile der Bevölkerung durch die Herrschenden zu untersuchen. Seppmann findet eine Reihe von Antworten auf die Frage, warum die am deutlichsten an den Rand Gedrängten in diesem Land sich nicht vernehmlicher zu Wort melden, warum der Widerstand insgesamt so gering bleibt. » Von ihren eigenen Aktivitäten erwarten die Opfer der ausbeutungsorientierten gesellschaftlichen Umgestaltungsprozesse ebenso wenig positive Impulse für ihre Lebenssituation, wie von der "großen Politik". Deshalb verweigern sie sich mehrheitlich sozialen Protestbewegungen, wie auch den Wahlprozeduren« , meint Seppmann und macht deutlich, daß Verunsicherung und Existenzängste immer größere Teile der abhängig Beschäftigten erfassen. Dies hat handfeste soziale Ursachen und ist Ergebnis der Kapitaloffensive zur Verbesserung der entsprechenden Verwertungsbedingungen sowie des Klassenkampfes von oben. Mindestens weitere 20 Prozent der BRD-Bevölkerung leben mittlerweile in so unsicheren Verhältnissen und verfügen über ein so geringes Einkommen, daß sie jederzeit sozial abstürzen können.

Hier ist nur noch Raum, den Beitrag von Wolfgang Richter zu erwähnen, der sich auf Basis der Ergebnisse einer Dortmunder Forschungsgruppe mit den strukturellen und sozialen Auswirkungen der Hartz-Gesetzgebung und auch den Folgen für den sogenannten ersten Arbeitsmarkt auseinandersetzt.

Insgesamt ist der Band ein wesentlicher Beitrag zur Verbreiterung des marxistisch geprägten Zugriffs auf die gegenwärtigen Veränderungen in der Sozial- und Klassenstruktur der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Auch die Ansätze zur Handlungsorientierung sind prägnant zusammengefaßt.

Klassenfraktionen
Lieberam betont die Notwendigkeit zur Verständigung auf ein gemeinsames Programm, »das die verschiedenen Klassenfraktionen der abhängig Arbeitenden und sozial Ausgegrenzten zusammenführt«. Zu diesem Programm gehören für ihn Forderungen wie die nach Umverteilung der Arbeit durch radikale Arbeitszeitverkürzung, nach Existenzsicherung auf der Grundlage gesetzlicher Mindestlöhne und die Einführung einer ausreichenden sozialen Grundsicherung. »Dazu gehört auch der offenbar langwierige Abwehrkampf gegen die fortschreitende Umverteilung von unten nach oben und die Privatisierung des öffentlichen Eigentums.« Lieberam mahnt zu Recht: »Wenn die Linke in diesem Abwehrkampf gegen Privatisierung, Sozialraub, Reallohnkürzungen und Massenentlassungen nicht ihre Hausaufgaben macht, wird die Ausweitung prekärer Arbeits- und Lebensverhältnisse sich unweigerlich fortsetzen. Sie muß die Machtfrage und nicht die Haushaltsfrage stellen.«

Dem Band ist eine weite Verbreitung zu wünschen. Er sollte auch genutzt werden, um die Diskussion zwischen der marxistischen Linken und den real existierenden sozialen Bewegungen deutlich zu beleben.

Michael Mäde

Kart., 216 S.
12,90 EUR

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Sozialcrash

Mit der Restauration des Kapitalismus in Ostdeutschland seit 1990 haben sich dramatische gesellschaftliche Umbrüche vollzogen. Die westdeutsche Bourgeoisie zerschlug mithilfe ihres politischen und administrativen Personal zügig das sozialistische Eigentum und überführte es dort, wo es profitabel erschien, in Privateigentum. Sie festigte so ihre Machtbasis und machte die frühere DDR zugleich zum Experimentierfeld für ihre inzwischen "gesamtdeutsch" angelegten Konterreformen. Der Phase der "radikalen Zerstörung der ökonomischen Strukturen, der gesellschaftlichen Verhältnisse und damit auch der Normen zwischenmenschlichen Verhaltens"(M.Benjamin) folgte die - noch anhaltende - Phase der "Konter-Evolution"; die Annäherung des Klassenrealität zwischen West- und Ostdeutschland im Zeichen des entfesselten Kapitalismus. Doch ist nicht zu übersehen, dass die sozialen Widersprüche in Ostdeutschland auch heute noch in aller Regel schärfer in Erscheinung treten und aus der DDR überkommene soziale und politische Strukturen, Verhaltensweisen, Werteorientierungen wie auch Bewertung gesellschaftlicher Zusammenhänge erstaunlich zählebig sind. Aus den Einsichten in die Praxis von zwei gesellschaftlichen und politischen Systemen, mit der erlebten Abwertung des Lebens in der DDR, überhaupt mit den Erfahrungen aus "vormundschaftlicher Vereinigung" und Kapitalismus pur ist eine vielschichtige Ostidentität hervorgewachsen, gekennzeichnet durch eine ausgeprägte system- und kapitalismuskritische Einstellung, die im Zusammenhang mit dem Nachdenken über die Voraussetzungen politischer Klassenbildung nicht unbeachtet bleiben darf.

Kart., 152 S., Januar 2007
9,90 EUR

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